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Tod durch den Strang wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

30. Dezember 2006, 19:20

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Die rückgratlose Verehrung von Harald Schmidt muss aufhören. Endlich. Er wird das sicher unterstützen. Harald Schmidt mag seine Qualitäten haben, aber nicht als Moderator. Als Moderatorendarsteller ist er mir aber dennoch um einiges lieber als Wayne Carpendale. Beckett schlägt Soap, immerhin.

1. Dezember 2006, 12:25

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Wenn es immer schon jemanden gibt, der etwas schon mal derartig aufgeschrieben und so verbreitet hat, dass es auch gefunden werden kann - dann bleibt dem Schreiber doch nur noch
die Flucht in die Schnelligkeit oder die Originalität. Bei ersterer besteht die Gefahr der Flüchtigkeit, bei zweiterer droht das Radikale.

30. Oktober 2006, 21:14

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Aus Stefan Niggemeier wird das gute Gewissen der Publizistik, der Reich-Ranicki des Boulevard, dem man in Sonntagszeitungskolumnenspalten fragt "Was halten Sie eigentlich von Diekmanns prosaischen Ansätzen" oder "Ist das Frühwerk von Boenisch noch zeitgemäß" - im Grunde der Mann, dessen Schweigen über einzelne BILD-Berichte gewissermaßen als verbriefte Bestätigung des ignorierten Artikels betrachtet wird. Missverständnis 2.0.

30. Oktober 2006, 21:07

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Er spielte ihr seine Jungensmusik vor, die in drei Akkorden und elf englischen Worten ausdrückten, was er nie hätte sagen wollen. Der ganze Zorn, die schiere Verzweiflung, das Bangen, die Hoffnung des Konjunktivs. Jungs können Mädchen nicht einfach etwas sagen, sie brauchen dafür die Kompaktanlage und ihre CD-Sammlung, legen sich dabei auf das Bett und sagen "Hör dir das an". Aus Jungs und Mädchen werden dann Leute und aus Liedern werden Relikte mit einem von fünf Sternchen bei iTunes.

30. Oktober 2006, 21:00

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Es geht sowieso nie darum, wer wieviel verdient. Es interessiert nur, wer wieviel bekommt.

18. August 2006, 09:09

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Mit Verlaub, was dort bei RTL passiert, ist harmlos im Vergleich zu den Zuständen bei den vielen Auftragsproduzenten, die das Programm ja eigentlich herstellen. 40 Wochenstunden stehen nur im Arbeitsvertrag und ganz sicher nicht in den Projektprotokollen der Mitarbeiter, Überstunden sind laut Vertrag mit dem Gehalt abgegolten und die Sender akzeptieren in den Kalkulationsverhandlungen nie die wirklich benötigten Arbeitstage (die ja mit acht Stunden berechnet sind), sondern manchmal nicht einmal die Hälfte davon. Das schwächste Glied sind die Programmschaffenden, die das alles mit sich machen lassen, weil der Markt genügend willige Arbeitskräfte hergibt. Gemeint sind die Jungen und Naiven, die sich der Hippness der Medienbranche hingeben, die nach langen Phasen der unbezahlten Praktika begeistert sind von einer Zahl mit drei Nullen hinten dran, sei sie auch noch so niedrig.
Aber das ganze Paradoxon wird sorgfältig verwaltet von riesiger Wasserkopf-Bürokratie mit Sachbearbeitern, Abteilungsleitern und Controllingheinis, die sicherlich vieles machen, aber kein Fernsehen. Und wenn sie sich doch mal abends eine Sendung ihres Arbeitgebers live im Studio anschauen, schreiben sie sich diese zwei Stunden als Arbeitszeit auf und gehen deshalb am Freitag um zwei Uhr statt um fünf.
Ansage Ende. Sicherheitsrückbau.

17. August 2006, 10:27

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Gäste inspiziert: rosa Polohemd, über den Schultern einen verknoteten Pullover. Fabuliert, ob Lacoste-Polohemden wieder möglich sind. Eigener Standpunkt: Nie, für alle Zeiten. H&M-Baumwollshirt für 4,90 Euro getragen. Muskeln trainiert durch Baucheinziehen. Linsen unter völlig neuem Aspekt genossen. Fremden Neuen Menschen die Selbstentwicklungszweifel gestanden. Seit langer Zeit wieder eine Party nach elf Uhr verlassen.

13. August 2006, 16:01

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Der Nahost-Konflikt war für mich immer der "Ja, aber"-Konflikt. Über andere Kriege, chirurgische Eingriffe und Kunstfehler ließ sich trefflich fabulieren, irgendwie war immer eine Sprachregelung zu finden und meist war die Einigkeit der Diskutanten Einbahnstraße und Sackgasse zugleich. Aber immerhin, man bewegte sich.
Israel dagegen - immer nur "Ja, aber". War im privaten Palaver ein Hauch von Eindeutigkeit gefunden, eine Verurteilung der einen oder anderen Position, erhallte dieses "Ja, aber" aus einer Ecke und kettenreagierte zu einer völlig richtungslosen Argumentewolke.
Ich kann diesen Sicherheitsrat gut verstehen. Ein runder Tisch, an dem es immer jemanden gibt, der "Ja, aber" sagt. Wenn nicht mal mehr die Symbolpolitik funktionieren will.

9. August 2006, 09:48

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Nach den zwei Disziplinen "Last-Minute-Powershopping" und "All-Inclusive-Leistungsangebot-Topping" die abschließende Prüfung im Büro-Urlaubsdreikampf: "Der Bräune-Vergleich der Melanom-Aspiranten unter LSF 5". Die sind doch alle total verkohlt.

1. August 2006, 00:36

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Lieber Chef, ich muss korrigieren: Man muss 14 Tage Urlaub wie vier Tage abrechnen. Die ersten fünf Tage reinkommen in die Erholung (gelegentlicher Schreck wegen schluderhafter Übergaben), dann vier Tage gedankliche Abwesenheit (ich gehe nie mehr zurück - wohin eigentlich?) und schließlich fünf Tage Wiedereingewöhnung (was wird aus mir, was mach ich hier).

1. August 2006, 00:28

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Die Botschaften, die man im Urlaub an sich selbst geschrieben hat. In den Kalender eingetragen, in einen Tag gebolzt, einfach irgendwann nach der Erholungsschallmauer. Am 25. erschrickt mich mein Ferien-Ich mit einer Erinnerung um 11 Uhr während eines Telefonats: Tingvall Trio steht da neben einer blinkenden Glocke. Ha, das hast du dir so gedacht.

1. August 2006, 00:20

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Urlaub ohne Fernsehen, ohne deutsche Zeitungen, ohne Depressionen. Gleich vier Bücher gelesen. Ein gutes und drei schlechte.

John Irving. Witwe für ein Jahr
Hey, ich mag Romane, auf denen "Mängelexemplar" steht. Sie kündigen Probleme an, deren Abwesenheit dann überraschend und erfreulich ist. An dem Werk war nichts auszusetzen. Tadelloses Papier, schöne Bindung, reduziertes Cover. Die speckige Haptik eines mediumgeknickten Diogenes-Einbands in der Strandtasche.
Ein Buch muss erzählen können, verdammt. Danke dafür. Die Geschichte des leicht duselig-einfältigen Eddie O`Hare, der während eines einzigen Ferienjobs eine ganze Familie prägt und sein Leben in eine obsessive Monokultur verwandelt, ist eine paradoxe Geschichte. Die Geschichte der Ruth Cole, die in ihrem ganzen Leben das Maß zwischen der biographie-inspirierten Schriftstellerei und der Idealisierung der Fantasterei sucht, ist eine intellektuelle Geschichte. Die Geschichte des Ted Cole, der Kinderbücher schreibt und hobbymäßig Frauen erniedrigt, ist eine erschütternde Geschichte.
Als Bodensatz bleibt die Frage, ob man tatsächlich erleben muss, was Geschichte sein soll. Glitzernd wabernde Oberfläche, herrlich tiefgründig, aber nur wenn man will. Genau wie das Meer, an dem ich las.

Jakob Hein. Herr Jensen steigt aus
Das ist doch das Buch - ja, ich weiß - das Hape Kerkeling bei Elke Heidenreich vorgestellt hat. Hätte er bei der Gelegenheit auch gleich dort vorlesen können. Oder schreiben.
Ein ärgerliches Buch. Als die Stewardess gerade von dem Lämpchen an der Schwimmweste sprach, das bei Kontakt mit dem Wasser automatisch blinkt, hatte ich schon zwei Kapitelchen dieses belanglosen Bands durchgestanden. Als die Wenigflieger in meinem Umkreis nicht wussten, ob sie nach dem heftigen Aufprall auf Cagliaris Landepiste in die Hände klatschen sollten, hatte ich das Buch bereits ausgelesen und freute mich ausgelassen, dass ich im weiteren Verlauf des Urlaubs davon verschont bleiben sollte.
"Herr Jensen" steigt nicht aus, er wird zum Psychopathen. Es ist nicht der mit leidenschaftlicher Logik propagierte Eskapismus, es ist das Abschalten jeglicher Vernunft bei dieser Figur, die nuancenlos und plump daher kommt. Der Roman ist eine fantasielose Reihung, eine Schilderung, die Auslassung von allem, was mir lieb ist. Jakob Hein begeht eine sträfliche Handlung an eine großartigen Idee. Romane dieser Art deprimieren mich, man möchte dann gern schreiben, so ermutigt fühlt man sich von soviel wohlwollend betrachteter Unfähigkeit.

Ralf Rothmann. Junges Licht
Eine liebevolle Variation einer alten Idee. Ein Buch über das Erwachsenwerden. In diesem Buch ist nicht viel Spektakuläres, das Unfassbare geschieht unter einen muffigen Schicht aus Kleinbürgertum. Ein Junge erlebt die entscheidenden Tage des Lebens, auf dem Scheitelpunkt, genau in der Zeit im Leben, wenn die Sommer sich so lang anfühlen wie sonst nie zuvor und nie mehr. In der Öffentlichkeit regiert hinterrücks das Hörensagen, aber die sensible Wahrnehmung des jungen Gemüts spürt die Ungeheuerlichkeit wie Nadelspitzen. Jakob Hein kultiviert ein wunderbar feinfühliges und unaufregendes Erzählen. Zwischen dem vierten und dem sechsten Tag des Urlaubs gelesen, in der Gleichgültigkeit der Ferienmitte, wenn man dem Irrtum erliegen will, dass es immer so weiter gehen könne.

Audrey Niffenegger. Die Frau des Zeitreisenden
Ach Gott ja, da war nichts mehr übrig zum Lesen, da blieb nur noch die ausgezehrte Reisebibliothek aus partnerschaftlichen Reisetaschen. Ich bitte um Aufmerksamkeit für einen noch zu formulierenden Aufruf zur Bildung einer Klappentext-Inquisition. "Das romantischste Buch des Jahres" (Brigitte) ist natürlich eine Liebesgeschichte, aber trotz einiger triefender Stilblüten kein reiner Handtaschenschmöker. Die alte Idee des Zeitreisens wird mit annehmbaren Varianten einigermaßen rauschfrei durchdacht. Auf dem Fundament dieses Konstrukts lässt sich trefflich Skurriles und Dramatisches herstellen und das ist auch ganz unterhaltsam gelungen. Einige Linien bleiben merkwürdig unangetastet und die meisten Figuren tun nichts zur Sache. Ein gebauter Roman, dem man in jeder Zeile anmerkt, das er nur im Setzkasten lebt. Aber immerhin besser als die Promotion-Maschinerie um ihn herum. Als ich es beiseite lege, habe ich noch drei bücherlose Tage, um mich zu erholen.

31. Juli 2006, 23:49

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Okay, wurde doch später. Deutschland wieder ohne WM. Die Welt hat die Freunde verlassen. Möge sie den Segen des deutschen Vollkornbrots überall verbreiten.

31. Juli 2006, 22:32

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Urlaub. Ohne wieder ab 25. Juli.

7. Juli 2006, 09:22

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Es genügten die Tätlichkeiten von Frings und Merkel, um das Bild der Deutschen wieder gerade zu rücken.

4. Juli 2006, 11:48

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Der Arbeitgeber meint, man müsse 14 Tage Urlaub eigentlich wie 28 Tage abrechnen - gemessen an der Produktivität: eine Woche kraftraubende Vorfreude, zwei Wochen Abwesenheit, eine Woche Wiedereingewöhnung. Das koste alles, da sei man viel effektiver, wenn man keine Erholung suche.

3. Juli 2006, 14:02

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An jedem Samstag leitet Schlager-Dieter die Filiale. So nennen ihn die Kunden, denn an diesem heiligen Tag der Konsumfreude legt der Mann mit dem verdreckten Minimal-Kittel und dem zerkratzten Plastikschildchen "Dieter K." (Name von der Redaktion verkürzt) seine Platten auf. Dabei verbirgt er sich oft hinter der verspiegelten Glasscheibe im Kassenbereich. Von dort aus überwacht er das Leben der Anderen - und die Folgen seiner subversiven Unterwanderung der Konsumindustrie.
Schlager-Dieter spielt Schlager mit Sendungsbewusstsein. Mittlerweile weiß ich diese Art von Vorstadt-Kyotoprotokoll zu schätzen. Zum Beispiel "Die alte Birke" von Stefanie Hertel, der Evergreen aus Schlager-Dieters Heavy Rotation: "Ich weiß ich lieg heut noch lange wach. / Denn ein Nachbar hat mir erzählt. / Er sagte einfach nur morgen früh wird die alte Birke gefällt. / Und die Straße wird hier sehr breit gemacht. / An die Birke hat man dabei nicht gedacht. / Solang sie lebt ist es noch nicht zu spät."
Schlager-Dieter liebt Stefanie Hertel. Er streichelt so gern die Tomaten, wenn sie samstags durch den Laden schallt.

2. Juli 2006, 21:46

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Die Menschen in Schwarz-Rot-Gold, die sich während des Spiels in den hinteren Reihen aufhalten, garantiert weit genug entfernt von den Flatscreens und grauenhaft gepixelten "Großbildleinwänden"1. Hymne singen, Gesprächskreis bilden, Rote und Saure exen, bei Jubel kurz mitfeiern, Gesprächskreis bilden, im Anschluss singend durch die Straßen ziehen, Döner essen, die Laterne anpinkeln. Fußball als Anlasstourismus. Aber dass Odonkor der Schnelle ist, wissen sie alle (neuerdings sagt man "antizipieren").


1 die mit dem Bild auch die Bildfehler vergrößern
 

2. Juli 2006, 02:10

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Der Gedanke, eine "größere Anschaffung" vorzuziehen, nur um Geld zu sparen, das man ohnehin nie hätte.

29. Juni 2006, 19:38

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